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© 2007 - by

Torsten Kruckenberg,

Wriedel

Stempelherstellung

Vorweg:

die Frage nach einer Bezugsquelle f. Photopolymer taucht immer wieder auf.

 

Herstellen von professionellen Stempeln hatte mich schon immer interessiert.

Dass es kein “Hexenwerk” ist, soll dieser kleine “Wörkschopp” biggrins (Workshop) zeigen.

Es ist selbst mit einfachen Mitteln möglich, sofern man die Verbrauchsmaterialien hat (bestellen ist ja kein Problem).

 

Ich hatte damals üüüüüüberhaupt keine Ahnung, wie ein Stempel hergestellt wird.weiss nix
Dann habe ich einen Lieferanten gefunden, der Maschinen für die Stempelherstellung vertreibt.
Ich fragte bei der Firma nach, ob sie mir eine Kopie der Anleitung einer solchen Anlage zukommen lassen könnten.

Sie taten es. Ich habe die Anleitung studiert und die einzelnen Schritte verstanden (ja ja - nich’ nur lesen biggrins).

Die Firma vertreibt auch die entsprechenden Verbrauchsmaterialien (wer hätte das gedacht *lol*).

Was wird benötigt ?
1. Der Photopolymer (der eigentliche Stempelgummi - UV empfindlich) das, was man kaufen muß (rechts)
2. "Vakuumspray" (ist irgendein Alkoholzeug) alternat. = Wasser (gleich neben dem Polymer)
3. Auswaschlösung - alternat. = Spülwasser (der grosse Behälter)
4. Trockenspray - ist dafür da, die Klebrigkeit der Stempelfläche zu eliminieren (links) - ob man’s braucht ? Ich nicht !

Stempel-Materialien

 

Weiter wird benötigt:
5. 2 Glasscheiben (Reste vom Tischler)
6. Kreppband
7. einen Rahmen oder dickes Isolierband (3 mm stark)
8. ein Stempelholz oder alternativ einen Gegenstand auf den man den Stempelgummi zum Stempeln aufkleben kann
9. eine Bürste
10. etwas Frischhaltefolie
11. ein Stück stärkere Folie die von einer Seite angerauht ist (anrauhen z.B. mit Schleifpapier - aber nicht zu stark)
12. eine UV-Quelle (aus Gesichtsbräuner, Solarium, ....)

 

und natürlich ein Film:

 

Dieser muß negativ gedruckt werden, da nur das aushärtet, was mit UV-Licht "bestrahlt" wird.
Das heißt: alles was hier weiß/durchsichtig ist, härtet aus und stellt somit die "erhabenen" (hervorstehenden) Stellen dar.
Alles Andere wird im Nachhinein ausgespült !


Fangen wir mal an:

1. Glasscheibe benetzen (ist nur schwer zu erkennen) !
Mit diesem "Vakuumspray" oder Wasser. Es dient dazu, den Film auf der Glasplatte plan und ohne Lufteinschlüsse zu fixieren !

Sollte der Film mittels eines Tintenstrahldruckers erstellt worden sein, so kann man als Vakuumspray-Ersatz

eigentlich nur Alkohol (Isopropyl ?) nehmen, da sonst die Tinte auf dem Film verlaufen würde.

Ansonsten mal ohne “Vakuum” ausprobieren.

 

2. Film seitenRICHTIG drauf und wieder benetzen:

 

3. Schutzfolie (z.B. Frischhaltefolie) über den Film und Lufteinschlüsse herausdrücken.

 

4. Rahmen um den Film (ich habe mir welche in unterschiedlichen Größen lasern lassen - es geht aber auch

mit entspr. starkem/dicken Klebeband. Dabei ist man natürlich nicht - wie bei Rahmen - an eine Größe gebunden).

 

5. Rahmen fixieren.

 

6. Mit Polymer füllen. Dabei darauf achten, dass man so wenig Lufteinschlüsse wie möglich hineinbekommt.
Ich habe das lange nicht mehr gemacht. Man sollte beim Giessen vermeiden, dass der Polymer anfängt,

sich übereinander zu legen (hier -leider- sehr schön zu sehen), denn dann bekommt man

(unerwünschte) Lufteinschlüsse hinein.

 

7. Lufteinschlüsse entfernen.

Wenn doch Lufteinschlüsse entstanden sind, so kann man diese (man glaubt es kaum)

mit einem dünnen Strohhalm/Röhrchen "herauspusten".
Bei den Stempelmaschinen gibt es dafür extra eine Druckluftvorrichtung.
Man pustet (mit dem Strohhalm) so lange auf die Blase, bis sie zerplatzt.

Der dabei verdrängte Polymer läuft danach ganz langsam und ohne erneut Luft einzuschließen zusammen.

Ergebnis: Lufteinschlüsse entfernt !

 

8. Trägerfolie aufbringen.

Nun wird die aufgerauhte Folie langsam drüber gerollt (die rauhe Seite kommt auf den Polymer).

Das Aufrauhen ist dafür gut, dass der Polymer sich in der Folie verankern kann.

Dadurch, dass man sie drüberrollt, verhindert man Lufteinschlüsse !

 

9. u. 10. Glasplatte drüber, andrücken und fixieren !
Es macht dabei nichts, wenn Polymer seitlich austritt. Man bekommt ihn ganz leicht nach der Belichtung wieder herunter.

 

11. Belichten

Ich habe das nun (wie geschrieben) schon 5 oder 6 Jahre nicht mehr gemacht.

Daher musste ich die Belichtungszeit Pi (Phi) mal Daumen wählen.

 

Einmal von der Oberseite (Klebe-/Stempelholzseite) 20 Sek. Das ist wichtig, da die härtenden Teile sonst keinen Halt hätten.

Und dann von der Unterseite (Druck-/Stempelseite) 100 Sek. !

War etwas kurz, wie sich hinterher herausstellte (hätte 50/130 Sek. sein müssen).

 

Der Belichter ist ein umgebautes Scannergehäuse in das ich die UV-Röhren

eines bei e-Bay für 5,-€ ersteigerten Gesichtsbräuners integriert habe.

Er dient mir auch zur Leiterplattenherstellung und wurde eigentlich auch nur zu diesem Zweck gebaut.

Als ich mit der Stempelherstellung angefangen hatte, probierte ich es erst einmal mit einem Solarium.
Funktionierte auch. Allerdings dauerte es doch recht lange.

Danach benutzte ich meinen (dann zugelegten) Druckplattenbelichter für den Offsetdruck.

 

12. Nach dem Belichten das Deckglas runter, und den Film sowie die Filmschutzfolie abziehen !
Alles was nun nicht belichtet wurde ist noch flüssig !

Hätte ich nicht von oben belichtet, würden die einzelnen Buchstaben und/oder Objekte lose herumliegen.

So haben sie Halt !

 

13. Spülen. Man kann da ruhig etwas härter mit der Bürste schruppen.
Das Spülmittel dient eigentlich nur dazu, dass der klebrige Polymer (der nicht belichtete)

nicht an der Bürste hängen bleibt.
Hier zeigt sich aber schon die falsche Belichtungszeit (der Strich rechts hat sich gelöst).
Das passiert bei der richtig eingestellten Belichtung nicht und man kann ganz feine Strukturen erreichen.

Sofern man einen Postscript fähigen Laserdrucker hat, kann man sogar Grafiken und Bilder hinbekommen.

 

14. Nachbelichten.

Zuvor mit klarem Wasser spülen, trockentupfen und nochmals für ein paar Minuten nachbelichten.

Dann verliert auch der Rest weitestgehend an Klebrigkeit.

 

15. Endbearbeitung.

Ausschneiden und doppelseitiges Klebeband auf die Stempelholzfläche oder etwas anderes geeignetes kleben !

 

FERTIG !

 

Und so sieht dann das Ergebnis aus ...

 

Das Streifige im rechten Stempeldruck liegt am Stempelkissen.

Ich hatte diesen Stempel einfach mal aus Spass gemacht. Er zeigt meine wunderbare Frau !

 

Ich hoffe, ich konnte dem Einen oder Anderen eine kleine Anleitung geben und ggf. zum Nachmachen anregen.

Es sieht nach viel aus - ist es aber wirklich nicht.

Vermutlich scheint es auch deshalb so, weil ich nun wirklich JEDEN einzelnen Schritt dokumentiert habe.

Der komplette Stempel ist in etwa 5 - 10 Min. vom Film bis zum ersten Stempeln hergestellt.

 

Bzgl. PHOTOPOLYMER

Ich denke mal, dass die Anleitung ausführlich genug ist. Nach dem Photopolymer sollte man aber schon selber suchen können.

Ich schreibe es deshalb, weil ich hier schon “angemacht” wurde, ob denn der Lieferant so geheim sei !

Nein - ist er nicht, aber ich habe keine Lust auf eine Unterlassungsklage, weil zig Leute bei der Firma anrufen,

ggf. noch Privatpersonen und 1 Kg Photopolymer bestellen wollen. Da braucht mir auch Niemand mit Sprüchen kommen

wie “.... wollen die nichts verdienen...” oder “... die stehen doch sicherlich im Telefonbuch ...”.

Zudem habe ich es nicht nötig, mich beleidigen zu lassen, weil ich eine “Quelle” nicht nenne.

Einige Leute übertreiben es wirklich .... aber kostenlose Informationen sind einfach nichts Wert ...

 

Ach ja - das Verfahren der Stempelherstellung mittels Photopolymer ist nicht mehr zeitgemäss.


© 2007 - by Torsten Kruckenberg, Wriedel